Geschäfte mit dem 1. Mai? Wir sind dagegen!

Der DGB und die Agentur KP machen aus dem früheren „Kampftag der Arbeiterklasse“ ein professionelles „Event“ / Ein Anstoß zur Rückbesinnung

Es geht auch ohne Bratwürste und die Höhner. Spontandemo am 1. Mai 2006 in Berlin.

Für Gruppen, die am Heumarkt, dem Ort der Abschlusskundgebung und des 1.Mai-Festes, schon einmal einen Infotisch gemacht haben, ist das keine Neuigkeit:
Das Fest zum internationalen Arbeiter*Innentag wird von einer privaten Veranstaltungsagentur organisiert. Die Kölner Agentur-KP kümmert sich um die Infostände, das komplette Paket rund um die Bühnenshow und um Essens- und Getränkestände. Aus Sicht des DGB bestimmt eine runde Sache. Sie sind die Organisationsarbeit los. Aus Sicht der Arbeiterbewegung ist das eine Provokation.

Warum sollen sich Gruppen, die am Ort der Kundgebung einen Infotisch machen wollen, die Erlaubnis dazu von einer privaten Agentur holen?

Auf Menschen, die sich abseits der Sozialpartnerschaft um Interessen der Arbeiter*Innen kümmern und den Kampftag der Arbeiter*Innenbewegung noch Ernst nehmen, und zwar nicht nur am 1. Mai, muss das abstoßend und befremdlich wirken. Der 1. Mai ist ein Tag, der 1886 als internationaler Generalstreik für den Achtstundentag begann und durch sieben hingerichtete Sozialisten und Anarchisten aus Chicago nach dem Haymarket-Riot markiert ist – die meisten von ihnen übrigens radikale deutsche Auswanderer und Gewerkschafter.

Finanzielle Interessen und bürokratische Erfassung

Plakat-Aufruf zum 1. Mai 1886 in deutsch und englsich

Damals ging es noch anders zur Sache. Plakat zum 1. Mai 1886 in Chicago auf deutsch und englisch: "Gute Redner werden den neuesten Schurkenstreich der Polizei, indem sie gestern nachmittag unsere Brüder erschoss, geißeln. Arbeiter, bewaffnet euch und erscheint massenhaft.

Dass finanzielle Interessen für die Agentur bei der Maikundgebung eine Rolle spielen, zeigt der Hinweis in dem Anmeldeformular: Nicht nur der Verkauf sondern auch die kostenlose Ausgabe von Speisen und Getränken ist untersagt. Veranstalter und Organisator wollen sich hier natürlich nichts nehmen lassen. (Das Formular hier als pdf)

Grenzwertig ist auch, das für die Anmeldung eines Infotisches sich jemand als Mitglied der jeweiligen Gruppe outen muss und seine Adresse preiszugeben hat. Solche sensible Informationen gehören nicht an die Öffentlichkeit und schon gar nicht an eine private Agentur. Nicht zu vergessen, dass der DGB als Veranstalter bestimmt auch Zugriff auf diese Daten hat.
Jeder sollte anonym und ohne vorherige Anmeldung einen Infotisch bei der Maikundgebung aufstellen dürfen. Es darf nicht kriminalisiert werden, Getränke an Kolleg*Innen mit Sonnenstich zu verschenken.

Wer oder was ist die Agentur KP?

Die „Veranstaltungsagentur Konzeption & Projektmanagement“ wird von dem Südstadt-Zampano Henning Röller geleitet. Über so etwas wie Klassenbewusstsein braucht man sich bei diesem Verein keine Gedanken zu machen, darüber werden sie sich bei der KP vor Lachen nur kringeln. Die Agentur KP organisiert stolz auch die obligatorischen – und bei vielen Arbeiter_innen verhassten – Firmenjubläen, Betriebsfeste, Galaveranstaltungen und PR-Aktivitäten von großen Unternehmen. So von HDI-Gerling, der Großbäckerei Krauss GmbH oder der teilprivatisierten Kölner Müllabfuhr AWB. (Siehe Referenzen).  Henning Röller dürfte bei vielen Bewohnern der Kölner Innenstadt auch deshalb unbeliebt sein, weil er seit Jahren das niveaulose Halbplayback-Massen-Ereignis „Kölner Ringfest“ zu verantworten hat. Früher organisierte Röller besagtes Ringfest, das damals noch den traurigen Höhepunkt der Kommerz-Musik-Messe Popkomm bildete, in der Agentur „Event Profile„.

Für uns steht fest: Die arbeitende Klasse und die Unternehmerklasse haben keine gemeinsamen Interessen. Sie sollten auch nicht die selbe – eklige, formatierte und austauschbare – Art zu feiern haben.

Last not least: Es wäre interessant zu erfahren, welche Arbeitsbedingungen, Löhne und sozialen Absicherungen bei Henning Röller und seinen Subunternehmern üblich sind.

Holen wir uns die Maikundgebung zurück!

Selbstorganisation statt organisiertem PR-Blödsinn!

+ + +

Mehr Infos:

Die Angeklagten des Haymarket-Riots (englisch)

August Spies – Redakteur der Chicagoer Arbeiter-Zeitung, deutscher Auswanderer (hingerichtet im November 1887)

Albert Parsons – Redakteur der Chicagoer Wochenzeitung „Alarm“, deutscher Auswanderer (gehängt am 11. November 1887)

Louis Lingg – Autor der Zeitung „Der Anarchist“. deutscher Auswanderer (unter ungeklärten Umständen am 10. November 1887 im Gefängnis ums Leben gekommen)

George Engel – militanter Gewerkschafter in Chicago, deutscher Auswanderer (gehängt am 11. November 1887)

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Ein Kommentar

  1. Das ist wirklich ziemlich abstoßend. Als die Popkomm uns das Ringfest bescherte, war das schlimm genug. Dann zog sie nach Berlin und das Ringfest blieb in Köln. EIn Freund sagte dazu: Das ist, als würde man seinen Hund weggeben, aber die Scheiße behalten…
    Danke für die Aufklärung! Der DGB hat den Schuss wohl nicht gehört.

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