Szene-Kneipe: Streik in Dresden

Basisgewerkschaft BGN-FAU bestreikt linken Grufti-Schuppen. Chefin entlässt drei Gewerkschafter

streik-banner-trotzdem-dresden-bgn-fau_schwarzDie IWW Ortsgruppe Köln erklärt sich solidarisch mit dem Streik in der Dresdner-Szene-Kneipe.

Die neu gegründete Basisgewerkschaft Nahrung und Gastronomie der FAU Dresden (BGN-FAU), hat schon länger unsere Aufmerksamkeit, weil sie eine ähnliche Untersuchung zu Lohnverhältnissen und Ausbeutung in Szene-Kneipen gestartet hatte wie die IWW Köln. (siehe hier) Jetzt wird es ernst in Dresden.

Die BGN-FAU bestreikt seit dem 1. Februar 2014 das Trotzdem in der Dresdner Neustadt. Am ersten Abend wurde der Laden komplett dichtgemacht. Laut Meldungen auf dem Streik-Blog, soll die Resonanz der Stammgäste und Passant_innen sehr gut gewesen sein.

Wir möchten alle Thekenkräfte – auch und gerade – in so genannten „linken“ Projekten ermuntern, beherzt für ihre Rechte als Lohnabhängige Arbeiter_innen zu streiten.

Zu Hintergründen (aus einem Flugi der BGN-FAU):

Das „Trotzdem“ gehört zu den originalen Kultkneipen der Neustadt. Gegründet vor weit über 10 Jahren von der Friedensaktivistin Johanna Kalex. In Dresden ist das Trotzdem als linker Gruftischuppen bekannt und die Stammkneipe von über hundert verschiedenen Leuten. Hier arbeiten die Chefin, ihr Lebensgefährte, eine Putzkraft und vier Kellner_innen. Letztere allesamt Gewerkschaftsmitglieder der BNG-FAU und seit Jahren im Betrieb. Der Betrieb läuft stabil und gut, in der Wintersaison war der Laden fast jeden Abend brumme-
voll. Eine wirtschaftliche Grundlage zur Entlassung der Kolleg_innen besteht nicht.

Was hat es mit der Kündigung auf sich?

Die Chefin hat die drei Kolleg_innen zum 1. April gekündigt. Gleichzeitig zum Stellenabbau will sie aber auch einen Freund der Familie einstellen. Das ist unserer Meinung nach rechtlich und moralisch nicht haltbar, zumal dieser Freund nicht einmal Gastronomie-Arbeiter ist. Die genauen Motive, die zur Kündigung führten können wir nur vermuten. Die Tatsache, dass alle Gewerkschaftsmitglieder mit unselbstständigem Beschäftigungsverhältnis rausgeworfen werden, lässt einen gewerkschaftsfeindlichen Hintergrund aber zumindest nicht ausschließen.

Vetternwirtschaft und selbstherrlicher Führungsstil

Im Mai 2013 hatte die Belegschaft nach Jahren eine Lohnerhöhung durchgesetzt und sich danach zu einer I-BNG Betriebsgruppe zusammengeschlossen. Weitere Lohnerhöhungen waren immer wieder im Gespräch gewesen.
Im Sommer und Herbst letzten Jahres hatte es eine Reihe politischer Auseinandersetzungen im „Trotzdem“ um einen Freund der Chefin gegeben, der sich immer wieder mit Merchandise rechter und rechtsoffener Bands sehen ließ. Im Trotzdem ist in solchen Fällen Einsicht des/r Kund_in oder ein Hausverbot üblich. Hier wurde der Kunde durch die Chefin und ihren Lebensgefährten geschützt und es gab massive Meinungsverschiedenheiten mit Teilen der Belegschaft und anderen Kund_innen.

Lesenswert:

Auf welcher Seite stehst Du? – Diskussionsbeitrag aus Dresden zu Linkssein und Szene-Ausbeutung

Lohnspiegel Dresdner Szene-Kneipen– auf der Seite der FAU Dresden

Flugblatt zum Streik (pdf)

http://trotzdemunbequem.blogsport.de/ – Der Steik-Blog mit aktuellen Infos

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